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Letzte Aktualisierung:

16.01.2008

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine Erkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft. Sie erzeugt unter Umständen eine Reihe von Symptomen an unterschiedlichen Orten im Körper. Sie variiert stark in der Schwere und der Art und Weise, wie sie den Einzelnen trifft, und das kann sich im Lauf der Zeit auch verändern.

  
Das menschliche Nervensystem ist ein komplexes Kommunikations-Netzwerk aus zwei miteinander verknüpften Systemen.

Zentrales Nervensystem (ZNS)

Das ZNS besteht aus Gehirn und Rückenmark. Es stellt die Kommandozentrale dar, interpretiert die ankommenden Sinnesempfindungen (sensorischen Informationen), z.B. von unseren Augen und Ohren, und kontrolliert die an die Muskeln ausgesendeten Befehle. Die Kommunikation erfolgt durch Nervenimpulse, das heißt durch elektrische Signale, die entlang der Nervenbahnen weitergegeben werden. Das Gehirn führt auch komplexe Funktionen aus wie Lernen, Gedächtnis, Gefühle und abstraktes Denken.

Peripheres Nervensystem (PNS)

Das PNS besteht aus sensorischen und motorischen Nerven: Sensorische Nerven leiten Informationen, die man durch Sehen, Hören, Schmecken, Fühlen und Tasten aufnehmen kann, zum ZNS. Motorische Nerven leiten die vom ZNS kommenden Befehlssignale zu den Muskeln.

   

Nervenzellen leiten Impulse

Nervenzellen besitzen lange, dünne und biegsame Fasern zur Impulsübermittlung. Impulse sind elektrische Signale, die entlang der Nerven weitergeleitet werden. Auf Grund ihrer Länge ermöglichen Nervenfasern die Leitung von Impulsen zwischen entfernt liegenden Körperregionen, z.B. zwischen Rückenmark und Beinmuskeln. Die Nerven transportieren Botschaften zwischen verschiedenen Teilen des Körpers.

Das Mark beschleunigt die Impulsleitung

Die meisten Fasern sind von einer isolierenden, fetthaltigen Schicht, dem Mark oder Myelin umgeben. Dieses dient der Beschleunigung der Impulsleitung. Die Markschicht ist in bestimmten Abständen unterbrochen bzw. eingeschnürt (sogenannte Ranvier'sche Schnürringe). Der Impuls springt von Schnürring zu Schnürring, was zu 

 

einer schnelleren Weiterleitung führt, als wenn der Impuls über die gesamte Faserlänge übertragen würde. Markhaltige Nerven können ein Signal mit einer Geschwindigkeit von mehr als 100 Meter pro Sekunde weiterleiten, d.h. so schnell wie ein Formel–Eins–Rennwagen.

Ein Markverlust kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen

Ist die Markschicht, die die Nervenfaser umgibt, geschädigt oder zerstört, werden Nervenimpulse langsamer oder gar nicht übertragen. Der Impuls wird jetzt entlang der gesamten Nervenfaser geleitet, was viel länger dauert, als wenn er von Schnürring zu Schnürring springen würde. Durch Läsionen verlangsamte bzw. blockierte 

 

Nervenimpulse führen zu einer Vielzahl von Symptomen, die alle Ausdruck der gestörten Aktivität des Nervensystems sind. Dazu gehören sensorische Beeinträchtigungen (z.B. unscharfes Sehen), Schwierigkeiten bei der Bewegungskoordination sowie Probleme mit körperlichen Funktionen (z.B. mangelnde Blasenkontrolle).

Neurologische Symptome von Nervenschäden

Die einzelnen Bezirke des zentralen Nervensytems (ZNS) stehen in Beziehung zu verschiedenen Körperregionen.

    

Sobald Sie einen Gegenstand wie beispielsweise ein Buch in die Hand nehmen und anfangen zu lesen, übernimmt Ihr ZNS mehrere Aufgaben.
    
Es sendet z.B. spezifische Befehlssignale aus, die bestimmen, wie Ihre Arme das Buch halten. Außerdem verarbeitet es die beim Lesen von Ihren Augen aufgenommenen Informationen.
     
Bei Schäden des ZNS durch Krankheiten oder Verletzungen bestimmt der Ort der Schädigung die Art der daraus entstehenden Symptome.
       
Schäden im Rückenmark können z.B. zu Taubheitsgefühl und Schwäche in den Gliedmaßen oder zu Blasenstörungen führen.
      
Schäden am Sehnerven, der die Augen mit dem Gehirn verbindet, führen häufig zu einer Einschränkung der Bildschärfe und des Farbensehens.
       
Andere häufig auftretende Symptome durch Schäden des ZNS sind:

  • Bewegungsstörungen, wie Schwäche, Spastizität, Steifheit, das Gefühl von schweren Gliedmaßen und

  • abnorme sensorische Empfindungen, wie Taubheitsgefühl, Schmerz und Jucken bzw. Brennen.

      

In einigen Fällen treten trotz großflächiger Schädigung des ZNS keine Symptome auf. Meistens ist aber ein Zusammenhang zwischen der Fläche der geschädigten Areale und der Wahrscheinlichkeit, dass Symptome auftreten, vorhanden.

Im Körper eines MS-Kranken

Vorgänge, die sich im Körper bei MS abspielen

Bei Multipler Sklerose (MS) greift der Körper die eigenen Nerven an. Dieser Vorgang basiert auf einer Fehlsteuerung der T-Zellen.

      
Das Immunsystem verteidigt den Körper gegen Infektionen, z.B. eine Erkältung. Bei dieser Abwehr spielen Immunzellen, sogenannte T-Zellen, eine Rolle.

       

Die genaue Ursache der Multiplen Sklerose (MS) ist nach wie vor unbekannt. Möglicherweise wird die Krankheit durch genetische Faktoren, vielleicht auch durch ein Virus, ausgelöst. Auf jeden Fall werden Funktionen im Körper so verändert, dass körpereigenes Nervengewebe angegriffen wird. Die Symptome der MS entstehen durch eine Zerstörung der Nervenhüllen.

      

Eine Fehlsteuerung des Immunsystems führt dazu, dass körpereigenes Nervengewebe angegriffen wird. Bestimmte Abwehrzellen, sogenannte T-Zellen, werden aktiviert und lösen diese Angriffe aus. Normalerweise sind diese T-Zellen nur an der Abwehr von infektiösen, körperfremden Stoffen wie Viren und Bakterien beteiligt.

      

Sobald die T-Zellen aktiviert sind, können sie in das Gehirn, das unzählige Nervenzellen enthält, eindringen. Im Gehirn werden die T-Zellen weiter angeregt bzw. ,hoch stimuliert', um den Angriff auf die Nervenzellen zu koordinieren. Die Angriffe verursachen Schäden an der isolierenden Nervenhülle, der Mark- oder Myelinschicht.

      

Die hoch stimulierten T-Zellen sind im Gehirn für Schäden an der Markschicht verantwortlich, da sie andere Abwehrzellen, die sogenannten Makrophagen, aktivieren. Die Makrophagen fressen dann die markhaltigen Nervenhüllen auf. In der Markschicht entstehen Löcher, die zu einer verlangsamten Reizleitung entlang der Nervenbahnen führen. Diese verlangsamte Reizleitung erzeugt die typischen Symptome bei MS.

Die Formen der MS

Die MS ist häufig durch Schübe gekennzeichnet. Von einem Schub spricht man dann, wenn neue Krankheitszeichen auftreten und länger als vierundzwanzig Stunden andauern oder wenn frühere Krankheitszeichen sich wieder deutlich verstärken, nachdem sie mindestens einen Monat nicht auftraten, so spricht man von einem Schub.

Schubförmig–remittierender Verlauf

Treten bei einem Patienten wiederholt Schübe auf, die sich weitgehend zurückbilden, so spricht man von einem schubförmig-remittierenden Krankheitsverlauf. Zwischen den Schüben kann der Patient häufig beschwerdefrei leben.

Sekundär progredienter Verlauf

Von einem sekundär progredienten (d.h. fort- schreitenden) Verlauf spricht man, wenn zwischen den Schüben die Behinderung mit der Zeit bleiben und zunehmen. Dabei können noch Schübe auftreten oder ganz fehlen. 80% der Patienten mit anfänglich schubförmig - remittierender MS gehen in den sekundär progredienten Verlauf über.

Primär chronisch progredienter Verlauf

Seltener ist der primär chronisch progrediente Verlauf der MS. Bei dieser MS-Form entwickeln sich Beschwerden und Krankheitssymptome von Beginn an stetig, aber ohne Schub und ohne dass es zwischenzeitlich zu einer Rückbildung der Beschwerden kommt.

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